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Versbuch

Der Friedhof

Alfred Henschke · 18901928

14 Zeilen · zuerst gedruckt 1913

In graden Reihen epheudichtbedeckt,Gleich Betten im Spital, stehen die Gräber.Ein Kreuz aus Stein vernarrte Neugier weckt,Wer hier verscharrt. Der Tag, der helle Weber,Webt Lichterfäden um der Treu Geranien,Ein leiser Widerschein spielt in den Sarg.Sie ruhen unter blühenden Kastanien,Ihr Lebenssaft steigt denen tief ins Mark.Zwischen zwei Gräben welken rote Blumen,Das Erdreich ist zerdrückt, das Laub zerfetzt.Hier wälzten sich die Nacht auf weichen KrumenZwei Wildverliebte, von der Brunst gehetzt.In ihre Schreie sprangen klirrend KnochenUnd Schädel, die nach reifem Heumond rochen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!, S. 28, Erich Reiß Verlag, Berlin, 1913
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Friedhof“, Fassung 3.087.294 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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