Lebensmittel! Lebensmittel!
Kurt Tucholsky · 1890–1935
25 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 28. März 1919
Von Theobald Tiger
Wenn nun die Ladung Korn und Fettden Anfang macht zu besserm Leben,wenn Deutschland erst zu essen hätt –:mein Gott, was wird das alles geben!
Zum Beispiel, der, der Schinken schiebt,wird tiefbekümmert ausverkaufen –man wird, weil es Vergeltung gibt,sich nicht um seine Schinken raufen.
Und Tante Malchens Eierschrank?Und Onkel Maxens Butterkammer?Wie ziehn sie die Gesichter lang!In allen Häusern – welch ein Jammer!
Im Kurse fällt die Schlächterfrau,das Butterfräulein gilt nur wenig,der Kaufmann spricht nicht mehr so rauh –Halli! hallo! voll Freuden dehn ich
befreit die Knochen. Dämmert es?Dies Dasein war seit langen Jahrenin Wahrheit ein belämmertes –Ach, wie wir einst so glücklich waren!
Kommt wirklich Brot und Speck herein?Ich tanze einen frohen Ländler.Die große Zeit wird wieder klein,die große Zeit der Grünkramhändler.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 48. Nummer 13. Seite 42, Rudolf Mosse, Berlin, 28. März 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Lebensmittel! Lebensmittel!“, Fassung 1.118.614 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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