Lustbarkeitssteuer
Kurt Tucholsky · 1890–1935
27 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 16. Januar 1920
Von Theobald Tiger
Will man das Leben uns verteuern?Will man die Lustbarkeit versteuern?Recht marmorkalt bleibt mein Gesicht:wir ham ja keine Lüste nicht!
Seh ich die Schlanken und die Kessen,die früher mächtig drin gesessen,sind die, die dicke Dinger drehn,als Lustbarkeiten anzusehn?
Und ist die Lektrische wohl eine?Ich stehe nur auf einem Beine,und auf dem andern steht ein Mann – –Sehn wir das wohl als lustbar an?
Und dann streikt Wäschemann und Amme.Und mal brennt keine Gaslichtflamme.Und diese nicht mehr große Zeit,ist sie vielleicht ’ne Lustbarkeit –?
Der Fiskus meint auch nur die Bühnen …Er sollte sich das nicht erkühnen.Denn was da alles hüpft und schreit –:Ist das vielleicht ’ne Lustbarkeit?
Doch bläst im runden Zirkus Buschder Landwirtsbund den Kaisertusch,begeistert von den ideöllenund äußerst lukrativen Zöllen,durchwärmt vom innern Rotweinfeuer –:dann zahl ich gern die ganze Steuer –!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 49. Nummer 3. Seite 10, Rudolf Mosse, Berlin, 16. Januar 1920
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Lustbarkeitssteuer“, Fassung 1.037.119 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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