Ledebour
Kurt Tucholsky · 1890–1935
25 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1929
Zum Fünfundsiebzigsten
In manchem Saal hast Du gestandenund hast die Leute uffjeklärt;und unter Bockbierfestjirlanden,da ham sie alle zugehört.
In manchem Saal, da, wo sie hocken,da hatten sie zu Dir Vertraun;und wenn die Brieder wollten bocken,Du hast sie an die Wand jehaun.
Du standst als Mann vor preuß’schen Richtern,als Mann im Parlamentsskandal;von weitem sah Dich ein Gesicht an:Genosse … in so manchem Saal.
Laß mich es Dir auf Hochdeutsch sagen:Du gingst den graden Weg der Pflicht.Umfielen die aus alten Tagen –Du nicht.
Es strahlt Genosse Schulz und Lehmann,wenn Exzellenz zu ihnen spricht.Du warst kein richtiger SPD-Mann –Du nicht!
Da lehnen sie, die weichen Besen.So fegt man nicht. Du stehst allein.Du bist ein Sozialist gewesen.Und das hieß einst: ein Kämpfer sein.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Das Lächeln der Mona Lisa, S. 371, Rowohlt, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ledebour“, Fassung 1.173.972 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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