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Versbuch

Einkäufe

Kurt Tucholsky · 18901935

25 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 21. Dezember 1919

Von Theobald Tiger

Was schenke ich dem kleinen Michelzu diesem kalten Weihnachtsfest?Den Kullerball? Den Sabberpichel?Ein Gummikissen, das nicht näßt?Ein kleines Seifensiederlicht?Das hat er noch nicht. Das hat er noch nicht!

Wähl ich den Wiederaufbaukasten?Schenk ich ihm noch mehr Schreibpapier?Ein Ding mit schwarzweißroten Tasten;ein patriotisches Klavier?Ein objektives Kriegsgericht?Das hat er noch nicht. Das hat er noch nicht!

Schenk ich den Nachttopf ihm auf Rollen?Schenk ich ein Moratorium?Ein Sparschwein, kugelig geschwollen?Ein Puppenkrematorium?Ein neues gescheites Reichsgesicht?Das hat er noch nicht. Das hat er noch nicht!

Ach, liebe Basen, Onkels, Tanten –Schenkt ihr ihm was. Ich find es kaum.Ihr seid die Fixen und Gewandten,hängt ihrs ihm untern Tannenbaum.Doch schenkt ihm keine Reaktion!Die hat er schon. Die hat er schon!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ulk Jahrgang 48, Nummer 51, Seite 190, Rudolf Mosse, Berlin, 21. Dezember 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Einkäufe (Tucholsky)“, Fassung 999.278 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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