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Versbuch

Disseplin muß sind!

Kurt Tucholsky · 18901935

27 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 20. Oktober 1921

Disseplin muß sind! von Theobald Tiger

Bei uns uff de Wache herrscht eine hehreund durchaus preußische Atmosphäre.Klopf du nur ganz schüchtern – wir sehn dich bloß an!Wir sind deine Herrscher – da gibts nichts zu mucken.Du hast dich bescheiden vor uns zu ducken.Den möchten wir sehen, der uns was kann!Beschwerden? Verfassung? Mensch, daß ich nicht lache!Bei uns uff de Wache?

Wir lassen alle Dienstmädchen zitternbei uns uff de Wache – in Zornesgewitternfühlen wir, wie süß eine Amtsgewalt ist.Wie schön, wenn vor Furcht Aller Herzen pochen.Wir haben noch Potsdam in den Knochen –Rekrut ist uns jeder Zivilist.Der preußische Aar? Schon schrein wir: Na Sache!Bei uns uff de Wache –!

Ob Sipo, ob Schupo, ob Hundertschaften –wenn wir uff de Wache mal Einen verhaften,der hat nichts zu lachen. Wir rühren ihn nicht an!Wir sind korrekt, muß Einer mal sitzen –korrekt bis in unsre Fingerspitzen,indem man uns nichts beweisen kann.Und ist unser Chef noch so sozialistisch:wir sitzen an unserm alten Kommißtischund sind eine Welt unter traulichem Dache –bei uns uff de Wache!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Weltbühne. Jg. 17, Nr. 42, S. 409, Verlag der Weltbühne, Berlin, 20. Oktober 1921
Digitalisat
de.wikisource.org — „Disseplin muß sind!“, Fassung 1.139.986 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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