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Versbuch

Die Schweigende

Kurt Tucholsky · 18901935

25 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Erst haben wir davon gesprochen– du hörtest freundlich zu –,ob unsre alten Männerknochensich jemals in den Hörselberg verkrochen …Und du?

Er sagte: „Ach, ich bin ein böses Luder!Die Frauen fehlen mir.Ich fresse jedes Jahr ein halbes Fuder,wild tobt mein Herz, stäubt nur ihr weißer Puder …“Was klopft denn dir?

Er sagte: „Rausch! Nur Rausch vor allen Dingen!Vor dem Verstand verblichschon manche Göttin mit den Strahlenschwingen –Mich packt es jäh, wenn meine Sinne singen …“Und dich?

Ich sagte: „Rausch ist eine schöne Sache,deckt er uns zu.Doch geben Sie mir auch die eine wacheSekunde nur, in der ich rauschlos lache …“Und du?

Du sprichst kein Wort. Du siehst nur so auf jedenvon uns – und während alles weit verklingt,und während wir voll Männerweisheit reden:blitzt auf in einem dunkeln Garten Edendein sieghafter Instinkt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 101, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Schweigende“, Fassung 3.779.898 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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