Berliner Herbst
Kurt Tucholsky · 1890–1935
31 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1929
Für Paul Graetz
Denn, so um’m September rum,denn kriejn se wacklije Beene –die Fliejen nämlich. Denn rummeln se sound machen sich janz kleene.Nee –fliejn wolln se nich mehr.
Wenn se schon so ankomm, ’n bisken benaut…denn krabbeln se so anne Scheihm;oda se summ noch ’n bisken laut,aba mehrschtens lassen ses bleihm…Nee -fliejn wolln se nich mehr.
Wenn se denn kriechen, falln se beinah um.Un denn wern se nochmal heita,denn rappeln se sich ooch nochmal hoch,un denn jehts noch ’n Sticksken weita –Aba fliejn… fliejn wolln die nich mehr.
Die andan von Somma sind nu ooch nich mehr da.Na, nu wissen se – nu is zu Ende.Manche, mit so jelbe Eia an Bauch,die brumm een so über de Hände…A richtich fliejn wolln se nich mehr.
Na, und denn finnste se morjens frieh,da liejen se denn so hintade Fenstern rum. Denn sind se dot.Und wir jehn denn ooch in’n Winta.Wie alt bist du eijentlich –?
–„Ick? Achtunnfürzich.“–„Kommst heut ahmt mit, nach unsan Lokal –?“–„Allemal.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Das Lächeln der Mona Lisa, S. 349-350, Rowohlt, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Berliner Herbst“, Fassung 3.790.665 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.