Berliner Drehorgellied
Kurt Tucholsky · 1890–1935
34 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 17.Januar 1919
Ich stehe hier am Leipziger Platzwohl hinter meinem Kasten.Wer mich in Feldgrau sieht, den hatsbedrückt mir schweren Lasten.Seht auch das ganze Reich kaputt,ich dreh die Kurbel rum –Didel nut, nut, nut, didel nut, nut, nut,didi nutnut, nutnut –Schrumm!
Der Spartakus, der Spartakus,der möcht uns gern regieren;er will bei diesem Friedensschlußdie Leut noch kujonieren.Im ganzen Kriege schoß er nichtsoviel um sich herumwie hier, nut, nut, an einem Tag –Didel nut, nut, nut – Schrumm! schrumm!
Kamerad weißt du noch? im August?Man trieb uns in den Graben.Glüht euch die Freiheit in der Brust?Ich will Moneten haben.Was achtundvierzig heilig war,ist heut Spektakulum.Ich will den Umsturz gleich in bar –Didi nutnut, nutnut – Schrumm!
So steh ich hier am Leipziger Platzund laß die Walzer klingen.Wer mich in Feldgrau sah, den hatsgepackt: wer steht in Bingen?Liegt auch mein Vaterland in Schutt,bekümmert ihr euch drum? –Didel nut, nut, nut, didel nut, nut, nut,didi nutnut, nutnut –Schrumm!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 48. Nummer 2/3. Seite 6, Rudolf Mosse, Berlin, 17.Januar 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Berliner Drehorgellied“, Fassung 1.004.961 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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