Auslieferung
Kurt Tucholsky · 1890–1935
18 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 20. Februar 1920
Von Theobald Tiger
Wenn einer fehlt, so soll man ihn bestrafen.Doch Richter sollens tun,die ohne Groll die Böcke von den Schafenzu sondern wissen.Und die Leidenschaften ruhn.
Wenn einer fehlt, so soll man ihn bestrafen.Doch nicht vor einem fremden Kriegsgericht,und nicht nach nationalen Paragraphen.So geht das nicht.
Es rufen Hetzer, Schreier aus dem Kriegemir viel zu laut.Durch ihren Wahnsinn stürzt bis auf die Wiege,was wir gebaut.
Ihr habt den Sieg. Müßt ihr euch in ihm wälzen?Könnt ihr nicht menschlich sein?Wir aber rufen euch, kommt ihr zu uns auf Stelzen:ein glattes Nein!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 49. Nummer 8. Seite 30, Rudolf Mosse, Berlin, 20. Februar 1920
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Auslieferung“, Fassung 1.011.670 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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