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Versbuch

Mit der Uhr in der Hand

Karl Kraus · 18741936

24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1920

Dies ist das Aug in Aug der Technik mit dem Tod.Will Tapferkeit noch Anteil an der Macht?Hier läuft die Uhr ab, aller Tag wird Nacht.Du mutiger Schlachtengott, errett uns aus der Not!

Nicht dir, der du da dumpf aus der Maschine kamst,ein Opfer war es, sondern der Maschine!Hier stand mit unbewegter Siegermieneein stolzer Apparat, dem du die Seele nahmst.

Dort ist ein Mörser. Ihm entrinnt der arme Mann,der ihn erfand. Er schützt sich in dem Graben.Weil Zwerge Riesen überwältigt haben,seht her, die Uhr die Zeit zum Stehen bringen kann!

Geht schlafen, überschlaft’s. Gebt Gnade euch und Ruh.Sonst sitzt euch einst ein Krüppel im Büro,drückt auf den Taster, hebt das Agio,denn grad flog London in die Luft, wie geht das zu!

Wie viel war’s an der Zeit, als jenes jetzt geschah?Schlecht sieht das Aug, das giftige Gase beizen.Doch hört das Ohr, die Uhr schlug eben dreizehn.Unsichtig Wetter kommt, der Untergang ist nah.

Entwickelt es sich so mit kunterbunten Scherzen —behüte Gott den Gott, daß er es lese!Der Fortschritt geht auf Zinsfuß und Prothese,das Uhrwerk in der Hand, die Glorie im Herzen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ausgewählte Gedichte, S. 56, Verlag der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff), München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Mit der Uhr in der Hand (Kraus)“, Fassung 3.448.970 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Kraus starb 1936; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2006 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118566288 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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