Doris auf dem Balle
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Du, der nicht richterisch und kaltSich Schönheitskenner nennt,Der ihre siegende GewaltAus der Erfahrung kennt:
Der du’s zu fühlen fähig bist,Sieh meine Doris an;Empfind’ es ganz, wie schön sie ist,Und weide dich daran.
Wie unterm schwarzen DominoIhr Schneehals Wunder thut:Sanft lacht ihr Aug, und mildert soDen stolzen Federhut.
Frey läßt sie flattern ihr Gewand,Und frey ihr blondes Haar:Stampft mit dem Füßchen, beut die HandZum Reihentanz mir dar.
Man drängt sich, wo sie tanzt, hervor,Schließt einen Kreis um sie,Und lispelt sich entzückt ins Ohr:„O seht nur, die ists, die!“
Doch ha! nun führt der ReihentanzZu mir sie wieder herDer blauen Augen sanfter GlanzStralt jetzt noch göttlicher.
Sie fleugt vorbey, drückt mir die Hand,Und nicket noch zurück:Ich stehe da, nach ihr gewandt,Und fühle ganz mein Glück.
Fühl’ es, vergesse, wo ich bin,Am Boden starrt mein Fuß,So, daß die nächste TänzerinMich zu sich reissen muß.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 51–52, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Doris auf dem Balle“, Fassung 2.966.805 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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