Der zufriedene Dichter
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1780
O HErr, nicht Armuth hast du mir,Du hast mir Reichthum nicht beschieden,Deß, lieber Gott! deß dank’ ich dir,Bin immer fröhlich und zufrieden.
Kan manches leiden in der Welt;Kans leiden, daß mich mein VerlegerMit Koth bespritzt, daß an mich prelltEin Läufer, oder Sänftenträger.
Kans leiden, daß ein reicher Narr,Und hinterher ein ganz Gedränge,Stallmeister, Reitknecht und HusarDurch die Allee des Praters sprenge.
Kans leiden, daß sich seinen BauchMit Austern füllt ein edler Fresser,Mir schmeckt mein kleines Nachtmahl auchManchmal so gut, und manchmal besser.
Gesetzt, mir Thoren fiel’ es ein,Die andern Thoren zu beneiden;Es würde doch nicht anders seyn,Und wollt’ ichs nicht, so müßt’ ichs leiden.
Weiß wohl, das menschliche GeschlechtHat immer was zu raisoniren,Nie machts der liebe Gott ihm recht,Stets wills ihn in die Schule führen.
Dann freylich lebt es nur zur Quaal,Nur mit dem tauben Glück zu keifen,Ha! ich will wahrlich nicht die ZahlDer undankbaren Menschen häufen.
Wer mir aus blosser Güte gabDies muntre, sorgenfreye Leben,Wird, so ich etwas nöthig hab’,Auch dieses noch dazu mir geben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 111, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der zufriedene Dichter“, Fassung 3.087.336 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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