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Versbuch

Reisebriefe eines Artisten

Joachim Ringelnatz · 18831934

27 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 7. Dezember 1925

Übralldaß a. d. Elbe

Übralldaß hat ein Publikum,Das blickt so dumm, so gottlos dumm,Daß man es prügeln müßte,Wenn man nicht sicher wüßte,Daß es ja selbst nicht weiß, warum.

Sein Horizont befindetSich in dem Mittelpunkt der Stadt.Die Leute dort verbindetDas Fehlende, das jeder hat.

Sie sehnen nie, sie beten nie.Sie wissen, daß sie besser sind.Die Luft ist dort gefroren.Und keiner – scheint’s – macht dort Pipi.Sie rümpfen, wenn man sagt: Ein KindWürde gezeugt, geboren.

Sie schlafen, wenn sie wachen,Leben vielleicht auch umgekehrt.Sie kauen, wenn sie lachen.Und dort wird gottlos viel verzehrt.Sie sind nur Gaumen und Popo.Zwar ist nicht jedermann dort so,Ein paar sind ausgenommen;Zwei sind sogar verehrungswert.

Soll einer von dort kommen,Der über mich sich nun beschwert.

Joachim Ringelnatz

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Zeitschrift „Simplicissimus“, 1. Auflage, Albert Langen Verlag, München, 7. Dezember 1925
Digitalisat
de.wikisource.org — „Übralldaß an der Elbe“, Fassung 1.944.925 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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