Trennung von einer Sächsin
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
27 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1929
1928
Ich kann dir alles verzeihn.Aber du mußt mir die Freiheit lassen,Mich nicht mehr mit dir zu befassen.Sächsische Quengelein,Auch wenn man ihrer nur träumt,Sind etwas, womit man die Zeit versäumt.
Du hast viel warmes GemütUnd lügst oft aus Höflichkeit.Und auf diesem Boden blühtUnd gedeiht die Geschmacklosigkeit.
Ich weiß das genau. Denn ich binIn Sachsen erwachsen. Das zu verschweigenOder deswegen mokant sich zu zeigen,Hätte nicht – – oder nur sächsischen Sinn.
Ich kann deiner Falschheit nicht trauen.Geh jetzt zur Ruh!Blondhaarig mit schwarzen Brauen,So schönes Mädchen du!
Aussichten sind unendlich weit.Aber Sächsisch in dieser Zeit,Eins, Neun, Zwo, Acht – – –Gute Nacht.
Als sie dann traurig ging,Ward mir so bang und kalt.Gab ich ihr keinen Halt.Armes Ding!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Trennung von einer Sächsin“, Fassung 3.780.127 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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