Rheinkähne
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
21 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1933
Den Rhein durchgleiten die großenKähne. Breit und flach.Es sitzen zwei BadehosenAuf dem hintersten Dach.
In diesen Hosen steckenZwei Männer, nackt und braun.Die lieben das Tempo der SchneckenUnd schimpfen auf ihre Fraun.Und mustern die fremden Weiber,Die strandlängs promeniern.
Glauben doch oft nackte Leiber,Daß sie an sich imponiern.Wie ausgetretene SchuheSind diese Kähne. Hat jeder KahnSolch friedlich häusliche Ruhe,Hat keiner das GetueDer preußischen Eisenbahn.
In jedem KinderwagenAm Strande rollt ein Kind.Keins dieser Kinder wird fragen,Was Schleppkähne sind.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 72–73, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Rheinkähne“, Fassung 3.778.733 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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