Ringkampf
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
36 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1920
Gibson (sehr nervig), Australien,Schulze, Berlin (ziemlich groß).Beißen und GenitalienKratzen verboten. – Nun los!
Ob sie wohl seelisch sehr leiden?Gibson ist blaß und auch Schulz.Warum fühlen die beidenWechselnd einander den Puls?
Ängstlich hustet jetzt Gibson.Darauf schluckt Schulze Cachou.Gibson will Schulzen jetzt stipsen.Ha! Nun greifen sie zu.
Packen sich an, auf, hinter, neben, in,Über, unter, vor und zwischen,Statt, auch längs, zufolge, trotzStehen auf die Frage wessen.Doch ist hier nicht zu vergessen,Daß bei diesen letzten dreiAuch der Dativ richtig sei.
(Pfeife des Schiedsrichters.)
Wo sind die Beine von Schulze?Wem gehört denn das Knie?Wirr wie lebendige SulzeMengt sich die Anatomie.
Ist das ein Kopf aus Australien?Oder Gesäß aus Berlin?Jeder versucht Repressalien,Jeder läßt keinen entfliehn.
Hat sich der Schiedsmann bemeistert,Lange parteilos zu sein;Aber nun brüllt er begeistert:„Schulze, stell ihm ein Bein!
Zwinge den Mann mit den NervenNieder nach Sitte und Jus.Kannst du dich über ihn werfenJust wie im Koi, dann tu’s!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Turngedichte, 1920
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ringkampf“, Fassung 3.779.226 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.