Schwingungen
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
19 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1932
„Sprich etwas lauter, Stadtradau!Lautsprecher, Hupe, Schraube,Seid nicht so leise, nicht so flau!“Sagte der Taube.
Er ging durch Donner und Explosion,Ohne daß ihn das störte.
In einem hessischen StädtchenSaß er einmal. Und da hörteEr plötzlich einen Ton,Ein Tönchen, das war einem MädchenIn Paris auf der Straße entflohn.
Und wie er das Mädchen sich dachte,Verschwiegen arm und schamgeplagt,Hat er ein leises Wort gesagt,Ohne daß er lachte.
Kein Nachbar hörte dieses Wort,Doch irgendwer im fernen OrtEines meergetrennten LandesHörte es. Und verstand es.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte dreier Jahre Seite 43, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Schwingungen“, Fassung 3.031.004 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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