Weltverkehr
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
19 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Horch! Eine Stimme aus dem Radio rief:„Ich bin der unbekannte Fisch Plattunde.Ich lebe auf dem MeeresgrundeSo schätzungsweise fünfzehntausend Meter tief.Ihr Menschen hört, ich möchte gar zu gernEinmal den Flieger Udet kennenlern.“
In einer Höhe von genau zwölftausendElfhundert Metern durch die Lüfte sausend,Erwiderte Herr Udet so:„Mein lieber, unbekannter Fisch im Meere,Ich habe Ihren Wunsch vernommen.Auch ich ersehne ein Zusammenkommen.Auf meiner Seite wäre ja die Ehre.Bestimmen Sie per RadioNur bitte wann? Und wie? Und wo?“Kaum war dies Zwiegespräch gesprochen,So ward das MeeresspiegelglasVon einem kleinen Fisch durchbrochen,Der eine Fliege schnappte und sie fraß.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 50, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Weltverkehr“, Fassung 3.779.601 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.