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Versbuch

Seehund zum Robbenjäger

Joachim Ringelnatz · 18831934

22 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1933

„Ich bin ein armer Hund.Ich habe keine Brieftasche. Im Gegenteil:Man macht aus mir welche; sehr wohlfeil.Und Wohlfeil ist Schund.

Taten wir jemals Menschen beißen?!Im Gegenteil: Jedes menschliche KindWird uns, wenn wir auf dem Lande sind,Mit Steinen totschmeißen.

Wie ihr Indianer und NegerNicht glücklich für sich leben ließt,Stellt ihr uns nach und schießtUns nieder. Für Bettvorleger!

Wo ihr Menschen Freischönes erschaut,Öffnet ihr, staunend, euren Rachen.Warum erstrebt ihr es nicht, euch vertrautMit den Tieren zu machen?

Wilde Tiere sahen allem, was neuUnd friedlich war, anfangs unsicher zu.Wer nahm den wilden Tieren die Ruh?Wer gab ihnen zur Angst die Wut?

Der Mensch verkaufte Instinkt und Scheu.Das Tier ist ehrlich und deshalb gut.“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
103 Gedichte, S. 20–21, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1933
Digitalisat
de.wikisource.org — „Seehund zum Robbenjäger“, Fassung 4.374.023 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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