Neidisches über einen Klo-Mann
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
30 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1929
Anfangs hat er kläglich gestöhnt,Denn er war zuvor in der KücheKartoffelschäler, und andre GerücheVon daher gewöhnt.
Er ist ebenso dumm wie faul.Er öffnet die Türen zu den AbortenUnd nach kurzen, blödsinnigen WortenÜber das Wetter, hält er das Maul.
Nie ist er freundlich. Dennoch verehrenIhn manche sehr;Besonders die, die ihm hinterherHandtücher stehlen und Nagelscheren.
Ich weiß nicht, warum ich mich vor ihm geniere.Er läßt mir niemals zum Waschen Zeit,Und durch seinen Geiz in bezug auf PapiereGeriet ich schon oft in Verlegenheit.
Im Grunde ärgert’s ihn, wenn man seineGeräte benutzt.Obwohl er niemals, auch nicht mal zum Scheine,Daran etwas putzt.
„Gedenket des AltenDenn er muß alles reine halten!“Schreibt er mit Seife, Frechheit und RuheJeden Morgen groß an den Spiegel.Und dabei hat dieser SchweinigelSo ein vornehm nervöses Getue,Das jeden zwingt, ihm viel Trinkgeld zu geben,Und er zählt immer gleich nach, wieviel. – –
Ja, so ein bequemes, geldbringendes LebenZu führen, das wäre wohl jedermanns Ziel.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Neidisches über einen Klo-Mann“, Fassung 3.780.267 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.