O Welt in einem Ei
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
22 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1934
O Welt im Ei, von HautUnd Schale rings umgeben!Wenn dich die Sonne schaut,Beginnt dein freieres Leben.
Dann lebst du, wie dein Ahne will,Als Strauß, als Fisch, als Krokodil,Als Huhn ein Mehrerwachen,Ein größeres Glück und größere QualIn einem weiteren Oval.Bis neue Schalen krachen.
O Welt in einem Ei,Wie Wichtiges entscheidet sich,Geht deine Wand entzwei.Vielleicht verschlingt man, kocht man dich,Ißt dich mit Senf, mit Kaviar(Störs ungezählten Eiern!).
Und wenn sie Ostern feiern,Die dich verschlucken roh und gar,Dann lachen sie und spaßena conto Osterhasen.Doch wer von ihnen denkt dabeiAn dich, du Mikrowelt in einem Ei?!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute S. 47, Ernst Rowohlt, Berlin, 1934
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „O Welt in einem Ei“, Fassung 3.778.999 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.