Zum Inhalt springen
Versbuch

Miß Longwieles Stoßgähnen

Joachim Ringelnatz · 18831934

27 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1924

(Ein Chanson)

Uah! Ich wollte, ich hätteAn Stelle meiner Beine zweiStuhlbeine aus Holz oder Blei –.Dann wünschte niemand sich das Zeugs ins Bette.

Mein Unterrücks – müßte ein – –Müßte eine Plakatsäule sein.Ach nein.Wie dumm!Dann stünden sie ja erst recht herum.

Mein Busen – (schöner Gedanke)Wäre eine Planke,Mit StacheldrahtUnd frisch geteert.Dann käme der nächste Soldat,Sagte: „Danke.Ganze Abteilung kehrt!“

Und an meiner Nase hingeEwig ein Hühnerei,Und bei jedem Niesen gingeDas Ei entzwei.Wären die Augen aus Stein,Schwarz die Zähne und ohne Schmelz – –

Einmal arm möcht’ ich sein,Einsam, verachtet, bedauert. –

Reich mir den Pelz.Anspannen! Mich schauert.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Kuttel-Daddeldu, S. 106, Kurt Wolff Verlag, München, 1924
Digitalisat
de.wikisource.org — „Miß Longwieles Stoßgähnen“, Fassung 3.026.603 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Joachim Ringelnatz

Alle Gedichte von Joachim Ringelnatz ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.