Olaf Gulbransson
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
27 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1928
In der freien Sonne, angesichtsSchöner Tennisspielerinnen,Steht ein Stier.Nur ein schmales LinnenBammelt ihm vorm Bauch und verdeckt nichts.
Goldig blinken kleine EinzelhärchenAuf der nackten, braunen Haut.Etwas brummt behaglich. Und ein MärchenWächst ringsum aus Gras und Kraut.
Etwas rund und blank wie BillardglatzeWendet sich. Man sieht:
Eine undressierbar wilde Katze.Die beugt sich zurück und zieht –Gott weiß wie – wunderliche,Unvergleichbar sichre Zauberstriche.
Breitbeturbant geht ein RiesenrindIn dem schon geschilderten GewandeGrinsend durch die Wiese und den WindNach dem Strande.
Einen dreisten Seehund sieht man in dem kühlenWasser draußen sich zu Hause fühlen.Echter Whisky strömt durch echte Kehle.
Irgendein beschissner TropfWill sich über Großes lustig machen.Eine Flasche fliegt ihm an dem Kopf.Es ertönt ein echtes Lachen.Leise seitwärts schreitet eine zarte Weltallseele.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 77–78, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Olaf Gulbransson“, Fassung 3.026.815 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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