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Versbuch

Müder Juniabend

Joachim Ringelnatz · 18831934

21 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Blühende KastanienzweigeStrecken ihre Tatzen vor.Wenn ich jetzt das rechte Ohr,Weil es taub ist, rückwärts neige,Höre ich einen Spatzenchor.

Weil mich dessen Plärr so kaltLäßt, und angeregt von Tatzen,Suche ich jetzt mit GewaltEinen Pickel aufzukratzen,Der im Grund zwar noch nicht reif ist,Doch mich hinten an der Scharte,Wo beim Affen noch der Schweif ist,Schikaniert. Da plötzlich zischtSchnupfen in die Speisekarte.

Rasches Taschentuch verwischtRotz und Preise der GemüseUnd Salate. Und ich grüßeEine Dame, die vorbeigehtUnd mich kennt, mir auch gefällt.Wobei leise was entzweigeht,Was den Hosenträger hält.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Müder Juniabend“, Fassung 3.780.221 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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