Landflucht
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
27 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Fort vom Lande, aus dem engenStädtchen in die Großstadt flieht der Geist,Wo im Kampf der MengenEr zerreißt.Dort, wo Puls und UhrSchneller ticken,Wird er sich zusammenflicken,Wenn er’s erst versteht,Daß die unbezwingliche NaturAuch auf Radiowellen, SchienenspurUnd Propellerschwingen weitergeht.
Wenn ihm das gelingt,Wenn er nicht darüber ganz verkommt,Wenn ihm die Erkenntnis frommt,Daß die Nachtigall genau so singtWie ein SpatzAm Alexanderplatz, – – –Ja, dann wird ihn wohl von Zeit zu ZeitEine Sehnsucht wieder landwärts tragenIn die Enge, in die Einsamkeit. – –Bis die simplen, friedlichen, gesundenBauern ihn nach TagenOder StundenWiederum verjagen;In die große Stadt zurück.Und dort wird er sagen:Nur im Ruhelosen ruht das Glück.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 43–44, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Landflucht“, Fassung 3.026.798 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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