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Versbuch

Kauderwelscher Bettlerdank

Joachim Ringelnatz · 18831934

19 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Ich danke dir für Wasser, Wein und Speise,Und ich bin froh, daß meine Sprache fremdHier ist. – Ein Bettler mit verlaustem HemdWill ich nur sein. Auf meiner WeiterreiseTräum ich davon, wie gut und leiseDu von der Schwelle nach der Küche gingstUnd – was ich weiß – wie rührend schön du singst.Denn ich hab lange dich belauscht, bevorIch klingelte an deinem starren Tor.

Du hast mich offnen Herzens angeblickt.Doch ich bemühe mich, mich zu verstellen.Du sollst nicht ahnen, wen und wie – –Himmlisch hast du mein Bettelherz erquickt!

So ziehen eilig sanfte WellenVorbei; doch sie vergehen nie.

Und eine Welle, die du selbst entsandtestUnd die ich selber nie erkennen lerne,Bringt dir vielleicht aus einer fremden FerneDen Dank zurück, den du an mir nicht fandest.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Kauderwelscher Bettlerdank“, Fassung 3.781.022 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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