Jene brasilianischen Schmetterlinge
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
29 Zeilen · zuerst gedruckt 1933
Wie schön ihr angezogen seid!Simpelfarbig ist unsere MenschenhautUnd hat noch Hitzpickel am Gesicht.Aber ich denke das ohne Neid.Ihr renommiert wahrscheinlich auch nichtMit euren sonnenmetallischen Flügeln.Sie sind euer einziges Kleid.Ihr braucht es niemals zu bügeln.Und wenn ich es täte, dann gingeEs sicher entzwei.Und euer Leben, ihr Schmetterlinge,Huscht sowieso wie ein Sternschnupp vorbei.Drum seid ihr Ochsen, wenn ihr’s nicht genießt.Dauernd saufen, naschen, geschlechtlich paktieren!Derart keine Zehntelsekunde verlieren!Bis euch der deutsche Professor aufspießt.– – – – – – – – – –Die europäischen FernenKennenzulernen,Was euch das Leben nie bot,Was ihr damals auch nie gewollt noch begriffen hättet, –Nun wär’s euch. – – Zwischen Gläser gebettetLeuchtet ihr so geduldig tot.Broschen seid ihr und Fächer.Ich habe aus euch einen Aschenbecher;Aber er tut mir so leid.Ich streue die Asche lieber daneben.Denn euch brachte das schöne KleidUm euer junges, brasilianisches Leben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 67–68, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Jene brasilianischen Schmetterlinge (103 Gedichte)“, Fassung 3.780.303 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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