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Versbuch

Graz

Joachim Ringelnatz · 18831934

23 Zeilen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)

Man hatte mir viel Angst gemacht.Ich fuhr nach Graz als wie zur Schlacht.Doch unterwegs – ich kam aus Wien –Sah ich schon wechselweiseBerge aus Schnee und Berge grün.Die reimte ich auf „Reise“Mir guten Trost. Und wurde kühn:Der Schnee zerschmilzt, und ein Tag zerschmilzt.Und Wälder sah ich und KüheUnd Wiesen, olivenfarbig befilzt.Ich sagte mir immer wieder bis Graz:Gib dir nur trotzdem viel Mühe.Und kam und tats.Wenn ich in der Rosenkranzgasse dann(Die kennt nur der Eingeborne)Eine fesche Grazer Verlorne– nach jener vorerwähnten SchlachtAm Abend – in der Nacht gewann,Und beides ganz unstreitig,So ward mir solches SiegenDadurch sehr leicht gemacht,Daß sich die Grazer gegenseitigMeist in den Haaren liegen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 105, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
Digitalisat
de.wikisource.org — „Graz (Ringelnatz)“, Fassung 1.245.705 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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