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Versbuch

Drei Tage Tirol

Joachim Ringelnatz · 18831934

18 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Ich bin nach Tirol gereistUnd hab das Zuhause vergessen.Ich habe viel Freiheit gefressenUnd viel Gesellschaft gespeist.Landschaften hab ich gesoffenUnd Illusionen geraucht.

Die Menschen, die ich getroffen,Standen meist so zu den Sternen,Daß man, um sie kennenzulernen,Nicht erst zu verreisen braucht.

Das nennt man Drahtseilbahn: Es hingEin Zündholzschächtelchen an Zwirn.

Und ein Gewitter kam. – Das gingMir superior durch Herz und Hirn.

Wie tut ein wildes Wandern wohl,Wenn man sein Einsamgehn durchleuchtet!

An allen Stellen angefeuchtetKam ich nach Hause aus Tirol.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Drei Tage Tirol“, Fassung 3.779.821 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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