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Versbuch

Dresden

Joachim Ringelnatz · 18831934

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)

Die Stadt macht einen ganz barock.Bemerkenswertes kennst du ja aus BildernUnd Büchern. Warum das noch schildern.Und sozusagen scharrt mein Reisestock.

Ich habe Angst, hier zu verwildern.August der Starke und ParisSind weit von diesem Tumerspieß,Auch Walter von der Vogelwies.

Was sind wir nun an Gas und Miete schuldig?Antworte nicht. Mit Geld steht’s diesmal schlecht.Vielleicht deshalb bin ich so ungeduldigUnd gegen Dresden billig ungerecht.

Doch hier – das tolle Welt- und GroßstadtlebenZermürbt mich ganz und gar.Übrigens: Wurzen liegt nicht weit daneben,Die Stadt, wo meine Mutter mich gebar.

Fort! Tausend Dank den Dresdener Verehrern!Doch fort von Dresden! Meine Sehnsucht wehtNach einer Stadt, die nur aus OberlehrernUnd aus Gemütlichkeit besteht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 33, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
Digitalisat
de.wikisource.org — „Dresden (Ringelnatz)“, Fassung 4.155.229 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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