Das Kartenspiel
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
41 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Vier Männer zogen sich zurück,Schlossen sich ein, und dreiVon ihnen versuchten ihr Glück,Spielten Karten.Draußen im GartenBlühte der Mai.
Im schwülen Zimmer saßen dieMänner bei ihren Karten.Ihre Weiber ließen sieDraußen weinen und warten.
Und sie spielten Spiel um Spiel zu dritt,Und jeder schwitzte.Der vierte Mann sah zu, kibit –Kibitzte.
Geld hin – Geld her – Geld her – Geld hin –Verlust – Gewinn –Nach Kartengemisch.Es wurde gebucht,Gereizt und geflucht.Man schlug auf den Tisch.Man witzelte seicht.Hätte Pikdame statt KarozehnDen Buben genommen,Dann wäre vielleichtAlles anders gekommen.
Und noch einmal und noch und noch,Verbissen und besessen. –Ein Lüftchen kam durchs Schlüsselloch,Roch nach verbranntem Essen.
Der König fiel.Das letzte Spiel,Das allerletzte Spiel begann.Und wieder stach die Karozehn.Der vierte Mann,Der nichts getan als zugesehn,Gewann.
Vier gähnende Männer gingenHinaus ins Morgengraun.Draußen hingenAm GartenzaunVier vertrocknete Fraun.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 91–92, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Kartenspiel“, Fassung 3.026.730 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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