Das Original
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
38 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Ich bin sehr dagegen,Daß sich ungelegenJemand aufdrängt.Aber meinen SegenHat, wer eines Wortspiels wegenSich zum Beispiel aufhängt.
Ich bin darin ganz besonders eigen,Denn ich sehe vieles weit voraus.Nur ich kann das immer nicht so zeigen. –
Nie betritt ein blinder Mann mein Haus,Wenigstens nicht meine Räume,Weil ich einmal eines Nachts in SchwedenTräumte – und ich kenne meine Träume –Nein, wir wollen lieber andres reden.
Wenn ich mal wo so betrunken war,Wie ich für gewöhnlich niemals bin,Geh’ ich dorthin nie mehr hin;Darin bin ich sonderbar.Und ich trinke, wenn ich vor GeschäftenStehe, überhaupt so gut wie nichts,Denn ich stehe so gewissen KräftenNahe. Und der Ausdruck des GesichtsWechselt stets bei mir in Interwallen.Ist dir das und andres an mir aufgefallen?
Nun, ich weiß: ich passe nicht ins Leben,Weil ich hungern kann. Ich werde nieMein Geheimstes jemals Leuten preisgeben,Die nicht groß sein können oder dieEng am Gelde hängen.Warum sollte ich mich denen aufdrängen!
Willst du, bitte, nun mal andre LeuteGanz diskret befragen,Was sie über mich und meine Meinung sagen,Und was ich für sie bedeute.
Gelt, du weißt, daß ich nicht gern verspreche,Weißt auch, daß ich etwas halten kann?Und – – – Genug! Du bist mein Mann! –Lebe wohl! – Zahl’ ich – zahlst du die Zeche?
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 89–90, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Original“, Fassung 3.026.829 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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