Das Parlament
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Im Parlament geht’s zu.Was die für Schnäbel haben, –Da sind wir WaisenknabenDagegen, ich und du.
Mein Onkel Rolf aus Rügen,Der ist einmal hineingewählt.Wenn er recht voll ist und erzählt,Dann merkt man, wie die lügen.
Ich habe selber zugeschaut,Wie der das Volk vertrat.Das geht auf keine Kuhhaut.Man meint, die spielen Skat.
Nur manchmal, wenn der Präsidentlaut läutet, gibt es Ruhe.Doch alles, was im ParlamentGeschieht, ist nur Getue.
Sie wollen sich in WirklichkeitNur Großtun und vertagenUnd freun sich auf die Ferienzeit.Wo wir die Steuern tragen.
Mir geht das ganz daneben.Ich bin selbst im Gesangsverein.Die wolln halt auch beisammen sein.Und jeder Mensch will leben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 87–88, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Parlament“, Fassung 3.026.720 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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