Das Geseires einer Aftermieterin
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1933
Meine Stellung hatte ich verloren,Weil ich meinem Chef zu häßlich bin.Und nun habe ich ein Mädchen geboren,Wo keinen Vater hat, und kein Kinn.
Als mein Vormund sich erhängte,Besaß ich noch das Kreppdischingewand,Was ich später der Anni schenkte.Die war Masseuse in Helgoland.
Aber der bin ich nun böse.Denn die ließ mich im Stich.Und die ist gar keine Masseuse,Sondern geht auf den –.
Mir ist nichts nachzusagen.Ich habe mit einem Zahnarzt verkehrt.Der hat mich auf Händen getragen.Doch ich habe mir selber mein Glück zerstört.
Das war im Englischen Garten.Da gab mir’s der Teufel ein,Daß ich – um auf Gustav zu warten –In der Nase bohrte, ich Schwein.
Gustav hat alles gesehn.Er sagte: Das sei kein Benehmen.Was hilft es nun, mich zu schämen.Ich möchte manchmal ins Wasser gehn.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 43–44, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Geseires einer Aftermieterin“, Fassung 3.778.541 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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