Berlin
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
19 Zeilen · zuerst gedruckt 1933
Da fährt die Hochbahn in ein Haus hineinUnd auf der andern Seite wieder raus.Und blind und düster stemmt sich Haus an Haus.Einmal – nicht lange – müßtest du hier sein.Wo das aufregend gefährlich flutet und wimmeltUnd tutet und bimmeltAm Kurfürstendamm und am Zoo.Das Leben in Pelzen und Leder.Es drängt einen so oder soLeicht unter die Räder.Sonst habe ich gut hier gefallen.Man hat mir hohe Gagen angeboten.Aber weißt du: jeder verkehrt hier mit allen,Nur nicht mit stillen Menschen oder mit toten.Ich bin so stolz darauf, dir einen Scheck zu überweisen.Ja, ja, hier heißt es sich durchbeißen.Das gibt mir mancherlei Lehre.Heute ging mir beim Kofferflicken die NagelschereEntzwei. Not bricht Eisen. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 70–71, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Berlin (Ringelnatz)“, Fassung 3.778.532 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.