Biegemann
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)
Biegemann war mein Lehrer.Biegemann war mal zu mir gut.Ich bleibe doch sein Verehrer.Denn was tut’s, wenn, was tat, nicht mehr tut.
Biegemann warfen schließlichSeine Freunde allerlei vor.Biegemann wurde verdrießlich,Unverschämt. – Bis er den letzten verlor.
Als ich ihn weiter besuchte –Denn er war einst mein geistiger Halt –,Schlug er und wälzte und fluchteAlles auf mich, was den Freunden galt.
Langsam wurde ich kühler.Endlich blieb ich ihm fern.Aber doch war ich sein SchülerEinstmals und hatte ihn gern.
Was er nun Schlechtes verbreitetÜber mich – überall –, macht mich nicht heiß.Denn nur der Unsichre streitetUnd ich weiß, was ich weiß.
Wenn ich ihn jetzt hin und wiederSehe, so wende ich mich. Daß heißtWenn er mich jemals wieder –Wie neulich, im Hofbräu – mit Kalbsknochen schmeißt,
Hau ich ihm eins in die Fresse.Denn ich bin doch kein Magistrat. – –Aber niemals vergesseIch, was mir Biegemann Gutes tat.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 81, 82, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Biegemann“, Fassung 1.091.710 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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