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Versbuch

Berta und ich gehen zum Maskenball

Joachim Ringelnatz · 18831934

38 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)

BERTA UND ICH GEHN ZUM MASKENBALL

Gänse, die als Prinzessinnen sich weiden.Schafsköpfe, die als Schafskopf sich verkleiden.Türken, die eine BettlerinMit „Frau Geheimrat“ titulieren,Cowboys mit Oberlehrermienen. – –Nur die dabei verdienen und bedienen,Erkennen solchen Unfugs Sinn.Und beinah nur für diese WenigenMischen wir andern uns auf buntem TellerZum außerordentlichen italienischenSalat, als Stückchen dran und drin.

Berta, frisier dich etwas schneller!Weil ich ein fertig angezogener Chinese bin.

Es braust ein Ruf wie Donnerhall, –Berta, wir gehen zum Faschingsball,Zu Karnevallerie Krawall,Pot-Pickles, Mixed-Pouri und Drall.

Denn mancherlei Leben – vielerlei! –Das man nicht sagt, läßt tanzen sich und gröhlen.Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

Maria Stuart, heute bist du frei.Rasch! Gieße Flieder in die Achselhöhlen!

Nimm diese Mark für Trambahn und mal müssenDas Auto hin, das werde ich bezahlen.Bin ich nicht nett??Und geh heut nacht mit wem du willst in das Schafott.Mach zu! Mein Hütchen – und mein Paletötchen. –Steig ein! – Die Schlüssel? – Und die Schinkenbrötchen?Töff töff rrrr –

*Das Auto hält. Portier und Lichter strahlen.Das Auto will ich, wie gesagt, bezahlen.Doch, Berta Stuart, nun verlaß ich dich.Zum Abenteuern muß man Freunde meiden.Wie wir uns heute nur für andre kleiden,Zuletzt erlebt ein jeder doch nur sich.

Du!: Morgen, überm Eimer denk an mich!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 102, 103, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
Digitalisat
de.wikisource.org — „Berta und ich gehen zum Maskenball“, Fassung 1.082.613 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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