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Versbuch

Belauschte Frau

Joachim Ringelnatz · 18831934

18 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1933

Doch ihr Gesicht,Das sah ich nicht.Nur Beine, Rock, gebeugten Rücken,Ein nasses Stück vom Schürzenhang.

Das alles lebte sich beim BückenUnd Wenden unterm Küchenlicht.

Ich aber stand im dunklen Gang,Sah nach den unbewachten BeinenUnter des hochgerutschten Rockes Saum.Zwei sichre Arme dachte sich mein Traum.Nur ihr Gesicht, das sah ich nicht.

Doch etwas war, als wäre es zum Weinen.

Kein Laut, kein Wort. –Es ist auch nichts Zunennendes gewesen.Ich aber weiß: Als ich den Gang verließ,Schlich ich ganz innig leise fort,Und war betrübt, als ich doch einen BesenUmstieß.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
103 Gedichte, S. 24–25, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
Digitalisat
de.wikisource.org — „Belauschte Frau“, Fassung 3.778.526 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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