Abschied von Paris
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
28 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Herz, ich schreibe diesIn der letzten Stunde in Paris,Aus der letzten Flasche echt ChampagnerIn dem Nègre de Toulouse,Nicht so froh, wie ich zuvor aus mancherUnsentimentalen Stunde sandte manchen Gruß.
Daß ich hier nicht länger durfte bleiben,Läßt glückstraurig jetzt mich selber quälen.Morgen aber werd’ ich frech erzählenUnd deutschabenteuerlich viel übertreiben,
Wie von einer sternenweiten Ferne,Wie Paris mir ist – ach nein, dann war –.Denke dir nur: Jede siebente LaterneHier ist ein naives Pissoir.
Unsympathisch, unergründlichComme chez nous ist die Bourgeoisie,Doch die simplen Leute von PariUnd die Künstler und die bunten Fremden,Pascin, Eiffelturm und der und das und die –Morgen, Liebste, schildre ich das mündlich.Und die Strümpfe und koketten Hemden.
Zwar nach einundzwanzig BummeltagenIst noch nichts Erschöpfendes zu sagenÜber diesLand Paris.Auch was ich dir morgen angter nusGlühend loben werde, prüfe du’s.
Bums! Ein Glas zerschlug im Nègre de Toulouse.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S.117, 118, 5.-9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Abschied von Paris“, Fassung 1.069.522 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.