Abschiedsworte an Pellka
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
19 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1934
Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,Du Ungleichrunde,Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,Du Vielgequälte,Du Gipfel meines Entzückens.Jetzt kommt der Moment des ZerdrückensMit der Gabel! – – Sei stark!Ich will auch Butter und Salz und QuarkOder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.Mußt nicht so ängstlich dampfen.Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.Soll ich Schnittlauch über dich streun?Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist ein so rührend junges Blut. –Deshalb schmeckst du besonders gut.Wenn das auch egoistisch klingt,So tröste dich damit, du wundervollePellka, daß du eine EdelknolleWarst, und daß dich ein Kenner verschlingt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute S. 31–32, Ernst Rowohlt, Berlin, 1934
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Abschiedsworte an Pellka“, Fassung 3.778.761 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.