Afrikanisches Duell
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
22 Zeilen · zuerst gedruckt 1924
Wenn dich der Paul oder jemand, den du kennst,Schwein schimpft, oder wenn du ihn Rindsvieh nennst,Dann habt ihr euch beleidigt.Dann müßt ihr afrikanisches Duell machen.Ich bin der Schiedsrichter, der bei Ehrenwort euch vereidigt.Niemand darf auch nur mit der Wimper lachen.Jeder schweigt. Und ihr stellt euch dabeiGegenüber. Mit sechs Handbreit Abstand. Und dannZähle ich langsam bis drei.Darauf spuckt jeder dem anderen ins GesichtMöglichst so lange, bis der nicht mehr sehen kann.Mich anspucken gilt aber nicht.— — — —Wer zuerst sagt, er habe genug abgekriegt,Der ist besiegt,Und muß sich von mir eine runterhauen lassenOhne sich wehren oder mich anfassen.Darauf dürft ihr euch nicht mehr hassen,Sondern müßt euch bezähmenWie Männer von Ehre und Stand.Jeder reicht dem andern die Hand.Weil die Helden in Afrika sich wegen Spucke nicht schämen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Geheimes Kinder-Spiel-Buch. Für Kinder von 5 bis 15 Jahren gedichtet und bebildert von Joachim Ringelnatz. Seite 15 - 16, 1. Auflage, Gustav Kiepenheuer, Potsdam, 1924
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Afrikanisches Duell“, Fassung 1.095.790 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.