Abermals in Zwickau
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
21 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1929
(1929)
Rings um das Zwickauer KrankenstiftTorkeln im Schnee fette Raben,Die wissen nicht, was Pulver und GiftIst, und wie gut sie es haben.
Es geht modern und freundlich zuIn den sauberen Krankenstationen.Ich möchte gern einmal in RuhDort ein, zwei Jahre wohnen.
Wenn das verdammte Kranksein nicht wär,Das die zum Eintritt verlangen!(Dann wird man zwar wie ein TeddybärVon Ärzten und Schwestern empfangen.)
Ich denke mir: Sie sterben nie –Die außerhalb – die Raben –Und sind wohl auch nur Krähen, dieWas gegen Zwickau haben.
Weil sie mit ihrem großen BlickSo hell und weitaus spähen. –Ein neuer Eindruck hier in Zwick.Prost, Ärzte! und prost, Krähen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Abermals in Zwickau“, Fassung 3.779.634 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.