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Versbuch

Ab Kopenhagen

Joachim Ringelnatz · 18831934

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)

Kein Kaviar, kein’ Kokosnuß,Kein Obst noch Weinbergschnecken –Am Tage, da ich reisen muß,Da will mir nichts mehr schmecken.

Lebe wohl, du schönes Kopenhagen!Wie ist das schlimm: Entbehrlich sein.Was kümmert dich im Grunde meinSchweres Herz und mein leerer Magen.

Der mein Gepäck zur Bahn gebracht,Der Mann kennt keine Tränen.Im Gegenteil: er grüßt und lachtVergnügt. So sind die Dänen.

Wie stets nach dreißig TagenBricht eine neue Welt entzwei.Mich hat ein Mädchen hier umgarnt,Ein Wunderweib! – Vorbei! vorbei!Nun sitz ich still im Wagen.Jedoch ich will nicht klagen.Vor Taschendieben wird gewarnt.

Lebe wohl du schönes Kopenhagen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 37, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
Digitalisat
de.wikisource.org — „Ab Kopenhagen“, Fassung 1.065.821 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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