Zwei Brüder
Heinrich Heine · 1797–1856
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Oben auf der BergesspitzeLiegt das Schloß in Nacht gehüllt;Doch im Thale leuchten Blitze,Helle Schwerter klirren wild.
Das sind Brüder, die dort fechtenGrimmen Zweikampf, wuthentbrannt.Sprich, warum die Brüder rechtenMit dem Schwerte in der Hand?
Gräfin Laura’s AugenfunkenZündeten den Brüderstreit;Beide glühen liebestrunkenFür die adlig holde Maid.
Welchem aber von den beidenWendet sich ihr Herze zu?Kein Ergrübeln kann’s entscheiden, –Schwert heraus, entscheide du!
Und sie fechten kühn verwegen,Hieb auf Hiebe niederkracht’s.Hütet Euch, Ihr wilden Degen,Grausig Blendwerk schleichet Nachts.
Wehe! Wehe! blut’ge Brüder!Wehe! Wehe! blut’ges Thal!Beide Kämpfer stürzen nieder,Einer in des andern Stahl. –
Viel Jahrhunderte verwehen,Viel Geschlechter deckt das Grab;Traurig von des Berges HöhenSchaut das öde Schloß herab.
Aber Nachts, im Thalesgrunde,Wandelt’s heimlich, wunderbar,Wenn da kommt die zwölfte Stunde,Kämpfet dort das Brüderpaar.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Junge Leiden, Romanzen, S. 52–53, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zwei Brüder“, Fassung 3.811.416 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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