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Versbuch

Zur Beruhigung

Heinrich Heine · 17971856

34 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1844

XX.Zur Beruhigung.

Wir schlafen ganz wie Brutus schlief –Doch jener erwachte und bohrte tiefIn Cäsar’s Brust das kalte Messer;Die Römer waren Tyrannenfresser.

Wir sind keine Römer, wir rauchen Taback.Ein jedes Volk hat seinen Geschmack,Ein jedes Volk hat seine Größe;In Schwaben kocht man die besten Klöße.

Wir sind Germanen, gemüthlich und brav,Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf,Und wenn wir erwachen pflegt uns zu dürsten,Doch nicht nach dem Blute unserer Fürsten.

Wir sind so treu wie Eichenholz,Auch Lindenholz, drauf sind wir stolz;Im Land der Eichen und der LindenWird niemals sich ein Brutus finden.

Und wenn auch ein Brutus unter uns wär’,Den Cäsar fänd’ er nimmermehr,Vergeblich würd’ er den Cäsar suchen;Wir haben gute Pfefferkuchen.

Wir haben sechs und dreizig Herr’n,(Ist nicht zu viel!) und einen SternTrägt jeder schützend auf seinem Herzen,Und er braucht nicht zu fürchten die Iden des Merzen.

Wir nennen sie Väter, und VaterlandBenennen wir dasjenige Land,Das erbeigenthümlich gehört den Fürsten;Wir lieben auch Sauerkraut mit Würsten.

Wenn unser Vater spatzieren geht,Zieh’n wir den Huth mit Pietät;Deutschland, die fromme Kinderstube,Ist keine römische Mördergrube.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Neue Gedichte, Zeitgedichte. S. 266–268, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1844
Digitalisat
de.wikisource.org — „Zur Beruhigung“, Fassung 3.151.612 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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