Vermächtnis
Heinrich Heine · 1797–1856
22 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1851
XIX.Vermächtniß.
Nun mein Leben geht zu End’,Mach’ ich auch mein Testament;Christlich will ich drin bedenkenMeine Feinde mit Geschenken.
Diese würd’gen, tugendfestenWidersacher sollen erbenAll mein Siechthum und Verderben,Meine sämmtlichen Gebresten.
Ich vermach’ Euch die Koliken,Die den Bauch wie Zangen zwicken,Harnbeschwerden, die perfidenPreußischen Hämorrhoiden.
Meine Krämpfe sollt Ihr haben,Speichelfluß und Gliederzucken,Knochendarre in dem Rucken,Lauter schöne Gottesgaben.
Codizill zu dem Vermächtniß:In Vergessenheit versenkenSoll der Herr Eu’r Angedenken,Er vertilge Eu’r Gedächtniß.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen. Seiten 199-200, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Vermächtnis (Heine)“, Fassung 3.579.185 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.