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Versbuch

Wiedersehen

Heinrich Heine · 17971856

22 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1851

XIII.Wiedersehen.

Die Geisblattlaube – Ein Sommerabend –Wir saßen wieder wie ehmals am Fenster –Der Mond ging auf, belebend und labend –Wir aber waren wie zwei Gespenster.

Zwölf Jahre schwanden, seitdem wir beisammenZum letztenmale hier gesessen;Die zärtlichen Gluthen, die großen Flammen,Sie waren erloschen unterdessen.

Einsilbig saß ich. Die Plaudertasche,Das Weib hingegen schürte beständigHerum in der alten Liebesasche.Jedoch kein Fünkchen ward wieder lebendig.

Und sie erzählte: wie sie die bösenGedanken bekämpft, eine lange Geschichte,Wie wackelig schon ihre Tugend gewesen –Ich machte dazu ein dummes Gesichte.

Als ich nach Hause ritt, da liefenDie Bäume vorbei in der Mondenhelle,Wie Geister. Wehmüthige Stimmen riefen –Doch ich und die Todten, wir ritten schnelle.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Romanzero. Zweites Buch: Lamentationen. Seiten 186-187, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wiedersehen (Heine)“, Fassung 1.060.999 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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