Mein Kind, wir waren Kinder
Heinrich Heine · 1797–1856
31 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Zwei Kinder, klein und froh;Wir krochen in’s HühnerhäuschenUnd steckten uns unter das Stroh.
Wir krähten wie die Hähne,Und kamen Leute vorbei –Kikereküh! sie glaubten,Es wäre Hahnengeschrei.
Die Kisten auf unserem Hofe,Die tapezirten wir aus,Und wohnten drin beisammen,Und machten ein vornehmes Haus.
Des Nachbars alte KatzeKam öfters zum Besuch;Wir machten ihr Bückling’ und KnixeUnd Complimente genug.
Wir haben nach ihrem BefindenBesorglich und freundlich gefragt;Wir haben seitdem dasselbeMancher alten Katze gesagt.
Wir saßen auch oft und sprachenVernünftig, wie alte Leut’,Und klagten, wie Alles besserGewesen zu unserer Zeit;
Wie Lieb’ und Treu’ und GlaubenVerschwunden aus der Welt,Und wie so theuer der Kaffee,Und wie so rar das Geld! – – –
Vorbei sind die KinderspieleUnd Alles rollt vorbei, –Das Geld und die Welt und die Zeiten,Und Glauben und Lieb’ und Treu’.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Die Heimkehr, S. 214–215, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Mein Kind, wir waren Kinder (1827)“, Fassung 3.778.467 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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