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Versbuch

Der Kaiser von China

Heinrich Heine · 17971856

40 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1844

Mein Vater war ein trockner Taps,Ein nüchterner Duckmäuser,Ich aber trinke meinen SchnapsUnd bin ein großer Kaiser.

Das ist ein Zaubertrank! Ich hab’sEntdeckt in meinem Gemüthe:Sobald ich getrunken meinen SchnapsSteht China ganz in Blüthe.

Das Reich der Mitte verwandelt sich dannIn einen Blumenanger,Ich selber werde fast ein MannUnd meine Frau wird schwanger.

All überall ist UeberflußUnd es gesunden die Kranken;Mein Hofweltweiser ConfusiusBekömmt die klarsten Gedanken.

Der Pumpernickel des SoldatsWird Mandelkuchen – O Freude!Und alle Lumpen meines StaatsSpazieren in Sammt und Seide.

Die Mandarinenritterschaft,Die invaliden Köpfe,Gewinnen wieder JugendkraftUnd schütteln ihre Zöpfe.

Die große Pagode, Symbol und HortDes Glaubens, ist fertig geworden;Die letzten Juden taufen sich dortUnd kriegen den Drachen-Orden.

Es schwindet der Geist der RevolutionUnd es rufen die edelsten Mantschu:Wir wollen keine Constitution,Wir wollen den Stock, den Kantschu!

Wohl haben die Schüler EskulapsDas Trinken mir widerrathen,Ich aber trinke meinen SchnapsZum Besten meiner Staaten.

Und noch einen Schnaps, und noch einen Schnaps!Das schmeckt wie lauter Manna!Mein Volk ist glücklich, hat’s auch den RapsUnd jubelt: Hoseanna!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Neue Gedichte, Zeitgedichte. S. 259–261, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1844
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Kaiser von China“, Fassung 4.063.479 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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